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Session 3 – Technisches Wissen: Bildung für Innovationen oder Innovationen in der Bildung?

Innovation und Qualifikation gehören zusammen: Die wissenschaftlich-technische Leistungsfähigkeit hängt unmittelbar von den Fähigkeiten der Menschen ab; umgekehrt fordert Innovation die Bildung immer wieder neu heraus. Diese Erkenntnis ist nicht neu, sie gewinnt mit steigender Innovationsdynamik jedoch an Bedeutung.

Hochtechnologien entwickeln sich dynamisch, und sie beeinflussen unterschiedliche Anwendungsfelder. Kürzere Produktlebenszyklen zerstören gewachsene Beziehungen zwischen Nutzern, Herstellern und Servicekräften oder lassen diese Verbindungen gar nicht mehr entstehen. Fachkraft kann nur sein und bleiben, wer sich ständig weiterbildet. Qualifizierungsbedarfe entstehen fortlaufend und immer wieder neu und die Vorstellung, sich mit seiner Ausbildung für das gesamte Erwerbsleben qualifiziert zu haben, ist nur noch auf wenige Berufe beschränkt.

Hieraus ergeben sich auch neue Anforderungen an das Bildungssystem. Geeignete Weiterbildungsangebote müssen in immer kürzeren Abständen entwickelt werden. Das Bildungssystem muss (wieder) stärker grundlegende Qualifikationen vermitteln, die die Basis für ein lebenslanges Lernen bilden.

Die Frage danach, wie Schule und andere Bildungseinrichtungen verbunden werden, wird seit einiger Zeit vor diesem Hintergrund diskutiert: Im Zusammenhang mit technischen Fähigkeiten wird schon heute – in Anlehnung an Produktionsprozesse – von Bildungsketten gesprochen, in denen jedes einzelne Glied Voraussetzung und Folge anderer Teile des Bildungssystems ist. Die übergreifenden Bildungsangebote sind in doppelter Weise Vorraussetzung des Bildungserfolgs: individuell (bezogen auf die Fähigkeit zum kontinuierlichen Lernen) und ökonomisch-gesellschaftlich (bezogen auf die Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaft).

Wo die Leistungsfähigkeit der Gesellschaft in hohem Maße vom Wissen abhängt, wird Bildung zu einem wertvollen Gut – und damit auch zu einer Ware. Der wirtschaftliche Anreiz, Wissen individuell und exklusiv zu vermarkten, steht häufig im Widerspruch dazu, dass Wissen kollektiv erzeugt und Innovationen gemeinschaftlich gestaltet werden. Diese paradoxe Situation wird durch neue Möglichkeiten der Informations- und Kommunikationstechnologien noch verstärkt.

Session 3 wird moderiert von Prof. Dr. Daniel Bieber, Direktor iso-Institut, Saarbrücken, und Institut für Soziologie, Universität Heidelberg und beschäftigt sich mit den Zusammenhängen zwischen Innovationspotentialen und Fragen der Organisation von Bildung. Präsentiert werden Beispiele, die unterschiedliche Aspekte dieses Zusammenspiels veranschaulichen.


1. Vortrag – Kooperative Technologien in Arbeitswelt und Ausbildung

Hintergrund: Die Web 2.0 Technologie wirkt sich zunehmend auf unsere Lebenswelt aus. Daraus ergeben sich Anforderungen und Potenziale für berufliches Lernen und Arbeiten, welche in diesem Beitrag diskutiert wird. Gegenstand der Rede sind neue Formen der Partizipation und Kooperation, neue Darstellungsmöglichkeiten und Identitätsformen, veränderte Potenziale der Informationsrecherche und -bereitstellung sowie die kooperative Entwicklung von Gruppenleistungen. Der Fokus liegt auf der Gestaltung von Nutzungsmöglichkeiten und -chancen sowie Problemen des beruflichen Lernens mit Web 2.0 und Social Software. Damit wird ein Schwerpunkt auf der Grundlegung eines Verständnisses von „Medien als Werkzeuge zur Entwicklung individueller Kompetenzen” gelegt und der Frage nachgegangen, inwiefern kooperative Technologien zur Gestaltung innovativer Lernumgebungen beitragen können.

Ziel: Die Teilnehmer diskutieren die Innovationspotenziale kooperativer Technologien in Arbeitswelt und Ausbildung.

Prof. Dr. H.-Hugo Kremer, Universität Paderborn, Centre for Vocational Education and Training (CEVET)


2. Vortrag – Herausforderungen der technischen Bildung

Hintergrund: Zum Gestaltungsfeld der technischen Bildung gehören zwei komplementäre Themenbereiche: Einerseits die Lehre funktionaler technischer Fachkompetenzen im engeren Sinne, andererseits ein technisches Grundwissen in der Breite der Gesellschaft. Beide Phänomene bedingen und verstärken sich gegenseitig, ähnlich wie das Verhältnis zwischen Breiten- und Spitzensport. Technische Bildung stellt demnach eine zentrale, aber bisher vernachlässigte Voraussetzung technologischer Innovationsfähigkeit dar. Um bestehende Hürden und gestalterische Ansatzpunkte in der Technischen Bildung erkennen zu können, muss man die Bildungskette betrachten – von der (vor-) schulischen über die berufliche und akademische Bildung bis zur Erwachsenenbildung. Aus einer solchen Betrachtung lassen sich konkrete Handlungsoptionen ableiten.

Ziel: Die Teilnehmer diskutieren Institutionen technischer Bildung und machen Verbesserungsvorschläge.

Prof. Dr. Ernst A. Hartmann, Institut für Innovation und Technik der VDI/VDE-IT, Berlin


3. Vortrag – Herausforderungen und Lösungsansätze für die Aus- und Weiterbildung in der Mikrosystemtechnik und verwandter Hochtechnologien

Hintergrund: Die Erfahrung aus der Mikrosystemtechnik hat gezeigt, dass für dieses Vorgehen eine enge Kooperation zwischen Akteuren aus der Bildung und der Industrie nützlich ist, damit Angebotsformate und Lehrpläne der Aus- und Weiterbildung selbst bei einer Neuordnung entsprechender Berufe bedarfsgerecht umgesetzt werden können.

Ziel: Die Teilnehmer diskutieren das Fallbeispiel Mikrosystemtechnik und vergleichen es mit verwandten Hochtechnologien.

Dr. Dirk Rein, AMA Fachverband für Sensorik, Göttingen